Mittwoch, 17. Februar 2016

Regenbogen

Vor einigen Tagen sah ich ein Plakat in allen Regenbogenfarben.
Beim Vorbeifahren kam mir der Gedanke: Der Gott, der den Regenbogen gemacht hat, mag es nicht, wenn wir alles schwarz - weiß sehen.

Montag, 8. Februar 2016

Elefantenbullen und Schafe


Ich bin überzeugt, damit christlicher Glaube lebendig, vital und begeistert ist, müssen Christen vier entscheidende Grunderfahrungen machen:
  • Die Erfahrung liebevoller Gemeinschaft
  • Die Erfahrung tiefgreifender persönlicher Veränderung
  • Die Erfahrung von Gotteserlebnissen, also Godstories, Gotteserfahrungen
  • Die Erfahrung von persönlicher Berufung, also sich als Teil von etwas Größerem erleben
 Einerseits muss sich der einzelne Gläubige um diese Grunderfahrungen bemühen, andererseits muss eine Kirche sich so organisieren, dass diese Grunderfahrungen dort tatsächlich möglich sind.
Zunächst jedoch ein paar Worte zum Thema liebevolle Gemeinschaft.
Jesus hat darüber gesprochen, als er sagte:
Johannes 13, 34 Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe. 35 An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.«
Die allererste Gemeinde die dann entstanden ist hat genau diese Grunderfahrung sicherstellen wollen und darum lesen wir über sie:
 Apg.2, 44 Alle, die zum Glauben gekommen waren, bildeten eine enge Gemeinschaft und taten ihren ganzen Besitz zusammen. 45 Von Fall zu Fall verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen in der Gemeinde. 46 Tag für Tag versammelten sie sich einmütig im Tempel, und in ihren Häusern hielten sie das Mahl des Herrn und aßen gemeinsam, mit jubelnder Freude und reinem Herzen.
Und 30 Jahre später schreibt Paulus in seinem Brief an die Philipper immer noch von der Wichtigkeit dieser liebevollen Gemeinschaft, indem er sagt:
Phil.2, 1 Ermutigt ihr euch gegenseitig, Christus nachzufolgen? Tröstet ihr euch gegenseitig in Liebe? Seid ihr im Heiligen Geist verbunden? Gibt es unter euch Barmherzigkeit und Mitgefühl? 2 Dann macht doch meine Freude vollkommen, indem ihr in guter Gemeinschaft zusammenarbeitet, einander liebt und von ganzem Herzen zusammenhaltet. 3 Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst. 4 Denkt nicht nur an eure eigenen Angelegenheiten, sondern interessiert euch auch für die anderen und für das, was sie tun.
Diese Verse müssten nicht in der Bibel stehen, wenn liebevolle Gemeinschaft einfach wäre. Mose, Jesus und Paulus mussten dazu ermahnen, dazu ermutigen, dass liebevolle Gemeinschaft gelingt.
Heute jedoch begegnen wir einer ganz besonderen Problematik. Es ist die Individualisierung des Glaubens, die ein großes Hindernis für liebevolle Gemeinschaft darstellt.

Wir erleben seit vielen Jahrzehnten eine gesellschaftliche Entwicklung, die der Erfahrung von liebevoller Gemeinschaft entgegenläuft.

Zunächst einmal waren antike Gesellschaften geprägt vom Gedanken des Kollektiv. Ein Mensch konnte sich nicht anders definieren und wahrnehmen als Teil eines Kollektivs. Ich bin immer Teil eines Ganzen. Teil einer Familie, einer Sippe, eines Stammes oder eines Volkes. Und mein Schicksal ist untrennbar verbunden mit dem Schicksal dieses Kollektivs. Segen ist kollektiver Segen und Strafe ist kollektive Strafe. Der Gedanke an Individualität ist in keinster Weise auf dem Radar der antiken Menschen! Entscheidungsfreiheit, Entscheidungshoheit oder individuelle Willensfreiheit sind fremde Gedanken einer antiken Sippen- oder Stammesgesellschaft. Ich bin Teil eines Ganzen, Teil eines kollektiven Willens und kollektiver Entscheidungen.

Wenn der König Gehorsam ist, wird er und das ganze Volk von den Göttern gesegnet.
Wenn ein feindliches Gebiet erobert wird, wird dort der ganze Stamm ausgerottet.
Wenn der König anfängt Götzen anzubeten, folgt ihm das ganze Volk in dieser Praxis.
Wenn am Sabbat Synagogengottesdienst ist, geht das ganze Dorf, da kann sich keiner rausnehmen.
Wenn der Israelit Achan im Buch Josua verbotenerweise etwas aus der eroberten Stadt Jericho an sich nimmt, ist Gott über ganz Israel erzürnt und es wird nicht nur er, sondern seine ganze Familie und sogar seine Herden mit dem Tod bestraft.
Auf die Frage des Gefängniswärters in Philippi, was er tun muss kann Paulus antworten: Apg.16,31 : »Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und alle, die in deinem Haus leben!« Alle in deinem Haus! Das ist kollektives Denken, sogar kollektives Heilsverständnis!
Wenn über Gott gesprochen wurde, dann redet man nie von meinem Gott, sondern immer von dem Gott meiner Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs! Es ist der Gott eines Volkes, einer Sippe und einer Familie, der Gott meiner Väter! 

Die Bibel gebraucht interessanterweise für die Gläubigen ausschließlich kollektive Bilder:
Im Alten Testament das Bild des Volkes Gottes, also ein ganzes Volk als Ausdruck der Gemeinschaft der Gläubigen.

Im Neuen Testament haben wir das Bild der Herde, und wir alle sind Schafe des einen Hirten und Teil einer Herde. Noch nie hat ein Orientale von einem einzelnen Schaf gehört, sondern immer nur von einer Schafherde. Gläubige sind nicht Elefantenbullen oder Tiger, die als Einzelgänger unterwegs sind und sich nur zur Paarungszeit begegnen! Wir sind Schafe und gehören zu einer Herde.
Oder dem ganz starken Bild des Körpers bei Paulus, wo jeder Gläubige ein Körperteil ist, dass über Sehnen und Bänder mit anderen verbunden ist und jeder das andere braucht und keines ohne das andere existieren kann.

1.Kor.12,12 So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib.
Dieses kollektive Verständnis von Leben und von Glauben ist viele Jahrtausende Lebensgefühl aller Menschen. Auch noch im Mittelalter waren die Menschen Teil der Entscheidungen und des Glaubens ihres Fürsten, ihres Königs oder ihres Regenten. Wird der Fürst protestantisch, werden auch die Einwohner seines Landes protestantisch. Wird ein anderer Fürst katholisch, werden seine Untertanen ebenfalls katholisch.
Und nun leitet ein junges Mönchlein aus Wittenberg eine entscheidende Wende ein: aus kollektiv wird persönlich. Luther entdeckt im Evangelium die persönliche Seite des Glaubens. Wenn er von sola fide, also allein aus Glauben redet, dann meint er vor allem, dass es der persönliche Glaube ist, der mich rettet. Es reicht eben nicht, nur Teil eines gläubigen Kollektivs zu sein. Der Papst ist katholisch, der Fürst ist katholisch und ich bin auch katholisch. Luther erkannte, dass kollektive Zugehörigkeit zum Glauben nicht alles ist, das braucht einen weiteren Schritt.
Zugehörigkeit zu einem Kollektiv ist ganz wichtig, aber Glaube muss auch persönlich sein. Das war die große Entdeckung Luthers.

Kollektiv bedeutet: für mich gilt, was für alle gilt.
Persönlich bedeutet: von Herzen.
Kollektiv bedeutet: ich schließe mich dem Glauben an, den alle haben
Persönlich bedeutet: ich glaube mit meinem ganzen Herzen.

Luther hat also nicht nur die Gnade Gottes wiederentdeckt angesichts einer entarteten mittelalterlichen Werkgerechtigkeit, sondern ganz stark auch die Bedeutung des persönlichen, von Herzen kommenden Glaubens im Gegensatz zur stumpfen kollektiven Zugehörigkeit zum Christentum. Vom Kollektiv zum persönlichen, vom Äußeren zum Herzen.
Das Kollektive bleibt für Luther nach wie vor wichtig, die große Verbundenheit, den Blick auf das große Ganze, aber hinzu kommt der persönliche Aspekt, dass mein Glauben und meine Taten von Herzen kommen müssen, meine Herzensentscheidung sein müssen.

Nun ereignet sich aber die nächste gesellschaftliche Entwicklung, die heute unser größtes Hindernis für liebevolle Gemeinschaft darstellt. Sie beginnt mit der Aufklärung und der Entstehung von wirtschaftlichem Privatbesitz. Aus kollektiv wird persönlich und aus persönlich wird plötzlich privat bzw. individuell.
Privat heißt jetzt aber plötzlich: ich mache es für mich. Das geht deutlich über das »von Herzen« hinaus. Die Frage ist jetzt nicht nur, ob es von Herzen kommt. Die Frage ist jetzt vor allem was es mir bringt. Mache ich das für mich? Privat heißt: ich mache es für mich, losgelöst vom Kollektiv, eben privat.
Und individuell führt das Ganze noch einen Schritt weiter: Individuell heißt: ich mache es auf meine Art und Weise, ich mache es anders, individuell. Es genauso zu machen wie der andere scheint zur regelrechten Bedrohung meiner Individualität zu werden! Wir stehen heutzutage alle unter dem Diktat der Individualität, das uns weiß machen möchte, dass alles kollektive und gemeinsame schädliche Gleichmacherei ist.

Aber Glaube und Nachfolge waren nie als etwas privates oder individuelles gedacht. Sie waren als etwas kollektives aber persönliches gedacht. Und privat bzw. individuell ist eben das Gegenteil von kollektiv und persönlich. Wir leben in einer individualisierten Gesellschaft, wo die große Frage ist, wie es für mich stimmt, und was es mir bringt. Das ist das soziale Glaubensbekenntnis unserer heutigen Gesellschaft. Aber je individueller mein Glaube und meine Nachfolge, desto schwieriger wird liebevolle Gemeinschaft .
Zusammenhalten, einträchtig sein, miteinander teilen, gemeinsam essen, sich gemeinsam versammeln, bescheiden sein, Verbindlichkeit, sich für die Dinge des anderen interessieren, nicht nur auf mich schauen, sich einander verschenken, Verzicht üben, die Schwierigkeiten des anderen auf mich nehmen, so selbstlos lieben wie Christus gelebt hat – all das ist Gift für einen Glauben, der privat oder individuell sein möchte. Wenn wir die Grunderfahrung einer liebevollen Gemeinschaft machen wollen, dann müssen wir uns verabschieden von einem privaten und individuellen Glauben! Glaube muss persönlich sein, unbedingt, aber das ist etwas ganz anderes wie privat oder individuell. Glaube ist keine Privatsache! Glaube ist nichts individuelles! Er ist persönlich!
Wenn Christen sich entscheiden, ihren Glauben privat zu leben, ohne Gemeinschaft, ohne Anbindung, ohne Verbindlichkeit, ohne Kollektiv, ohne lokale Gemeinde und Kirche dann reden wir hier nicht von biblischem Glauben, nicht von Jesusglaube. Dann reden wir von einer individualisierten Form des Glaubens, der nur noch eine geringe Schnittmenge mit biblischem Glauben hat.

Und seltsamerweise haben immer mehr Christen den Eindruck, eine Recht auf einen privaten Glauben zu haben. Der Glaube verschwindet aus dem öffentlichen Leben, wird zu etwas, über das man nicht spricht, es wird sogar peinlich darüber zu sprechen, Glaube wird dadurch zum Tabuthema und in den persönlichen Schambereich verwiesen. Es ist ähnlich tabu über seinen Glauben zu reden, wie über seine Sexualität. Und plötzlich ist Glaube eine Sache des privaten, Privatsache.
Warnend beschreibt Johannes in seinem ersten Brief die Konsequenzen eines solchen individualisierten Privatglaubens:
1.Joh.3,16 Christus gab sein Leben für uns hin; daran haben wir erkannt, was Liebe ist. Auch wir müssen deshalb unser Leben für unsere Brüder und Schwestern einsetzen. 17 Angenommen, jemand hat alles, was er in der Welt braucht. Nun sieht er seinen Bruder oder seine Schwester Not leiden, verschließt aber sein Herz vor ihnen. Wie kann da die Liebe Gottes in ihm bleiben und er in ihr?

Wie ist es möglich, dass ein Christ sich verschließt vor der Not eines anderen Christen, obwohl er genug hatte um zu helfen? So etwas geht nur, wenn Glaube zur Privatsache wurde. Dann geht es eben nur noch um meinen Glauben und was er mir bringt und was er für mich bedeutet. Es geht um mein persönliches Heil, um meine Gottesbeziehung, aber nicht mehr um das Ganze, die Geschwister und das Kollektiv. Dann geht mich der andere eben plötzlich nichts mehr an. Dann kann ich mich tatsächlich verschließen vor dem anderen und seiner Not. Aber genau die Realität dieses Verses erleben wir zuhauf in der westlichen Christenheit, die nicht mehr Kollektiv denkt, nicht mehr in Sippen und Familien, sondern hauptsächlich privat und individuell.

Es bleibt dabei: wir sind Schafe, keine Elefantenbullen.




Montag, 25. Januar 2016

Durchgeschüttelt werden Teil 2

Wenn dein Leben also durchgeschüttelt wurde oder gerade durchgeschüttelt wird, was kannst du tun?

1. Vertrauen
Die erste Sache, die gefährdet ist, wenn unser Leben durchgeschüttelt wird, ist unser Vertrauen zu Gott. Ist Gott vertrauenswürdig, wenn er das oder jenes in meinem Leben zulässt?
Kann ich an diesem Gott festhalten, der mich hier oder da nicht beschützt, nicht versorgt, oder nicht bewahrt hat?
In den Zeiten, in denen ich durchgeschüttelt wurde habe ich mir immer wieder folgendes gesagt:
Auch wenn ich nicht verstehe, was gerade passiert oder warum Gott nicht eingreift lass ich es mir nicht nehmen darauf zu vertrauen, dass mein Leben ganz fest in Gottes Hand ist. Ich glaube zutiefst, dass Gott für mich ist und dass mir darum alles zum Besten dient in meinem Leben.
Irgendwie lässt sich alles in meinem Leben einordnen, hat alles seinen Zweck, seine Bedeutung.
Und selbst wenn der Teufel es böse meint, kann Gott aus alldem etwas Gutes in meinem Leben machen. Diese Haltung beschreibt mein Vertrauen.

Und dazu kommt die wunderbare Tatsache, dass Jesus selbst mit betet, dass dieses Vertrauen nicht aufhört, nicht pleite geht sondern mir erhalten bleibt.
Ich klammere mich also an diese Gewissheit und an diese Überzeugung: mein Leben ist in Gottes Hand und er kann alles wieder gutmachen. Ich vertraue darauf, dass Gott aus Trümmern Paläste  bauen kann und aus meinem Zerbruch Dünger für mein Leben macht.

2. Umkehren und sich wieder zurechtfinden
Das zweite, was durch unser durchgeschüttelt werden gefährdet ist, ist unsere Nähe zu Gott das Leben in seiner Gegenwart.
Durchgeschüttelt werden kann Distanz zu Gott verursachen. Gerade, wenn ich ihn in alledem nicht verstehe oder finde. Vielleicht verliere ich die Orientierung, die Perspektive oder Division für mein Leben. Wer im Freizeitpark auf irgendeiner Bahn so richtig durchgeschüttelt wird, dem wir noch einen Moment danach schwindlig sein und man ist ohne Orientierung und taumelt aus der Bahn heraus.

Und das ist die zweite wichtige Sache, die wir tun müssen wenn unser Leben durchgeschüttelt ist zu Gott zurückzukommen und uns wieder zurechtfinden.
Als mein Leben durchgeschüttelt wurde bin ich nicht vor Gott weggelaufen, sondern im Gegenteil: ich bin auf ihn zugestürmt. Ich habe Gott bestürmt in meinen Gebeten, ich wollte von ihm wissen was los ist, ich wollte mir all die Verwirrung von der Seele reden und wie Hiob Gott erzählen, was alles los ist in meinem Leben, im vielleicht sogar Vorwürfe machen.
Wenn wir durchgeschüttelt werden verlieren wir oft die Orientierung und geistliche Perspektive in unserem Leben. Daher ist es so wichtig sich wieder zurechtzufinden.
Ich habe mir ganz bewusst Zeit genommen, wieder einen klaren Kopf zu bekommen, zu schauen wo ich stehe und wo ich hin will!
Für mich war es ganz wichtig, mich in all den Turbulenzen des Lebens wieder zurechtzufinden!
Ich musste meinen inneren Norden wieder entdecken und mein Leben wieder ausrichten auf das Wesentliche. Ich musste mich wieder zurechtfinden, wer ich bin, trotz meiner Krisen, Fehler, Unzulänglichkeiten und Enttäuschungen. Das ist doch das entscheidende, dass mein innerer Kompass wieder funktioniert, dass ich meine Richtung wieder kenne, Prioritäten setzen kann und zu Jesus zurückkomme.

Vertrauen, zurückkehren und sich wieder zurechtfinden und dann geht Jesus sogar noch einen Schritt weiter:

3. Stärke die Brüder
Jesus will mehr als das wir das eigene Leben wieder in eine Stabilität und Klarheit bringen.
Die ganz große Gefahr ist, dass wir nach dem durchgeschüttelt werden, nach Turbulenzen oder Krisen eins selbstzentrierte Leben führen. Plötzlich sind wir uns selbst die nächsten, wir achten peinlich auf unser Wohlbefinden, keinesfalls wollen wir wieder eine Krise erleben.
Unser eigener Glaube und unser eigenes Leben sind uns plötzlich das wichtigste, weil wir so schmerzliche Phasen hinter uns haben. Jetzt geht es um mich, um meine Gesundheit, um mein Glück, um meine Zufriedenheit, um mein Wachstum, um mein Gedeihen! Durchgeschüttelt werden und Krisen können außerordentlich Egozentrisch machen.
Und nun sagt Jesus zu Petrus: Wenn du dann umgekehrt und zurechtgekommen bist, stärke den Glauben deiner Brüder!« 
Der entscheidende Schritt um mit dem durchgeschüttelt werden des Lebens zurechtzukommen ist ein Leben, das sich für das Wohl und die Glaubensstärke andere einzusetzen.
Wer durchgeschüttelt wurde soll nicht vor allem um sich selbst kreisen, sondern im Gegenteil gerade für andere da sein. Im Gegensatz zu den meisten Psychologen oder Therapeuten oder Ärzten oder Gurus sagt Jesus nicht: Jetzt schaue, dass du selbst möglich stark wirst -, sondern er sagt: deine Berufung ist es jetzt andere Menschen stark zu machen!

Wer hart durchgeschüttelt wurde, dem sagt Jesus:
Zieh dich nicht zurück.
Isolierte dich nicht.
Verkrieche dich nicht im Schneckenhaus.
Sei dir nicht selbst der nächste, sondern werde eine Person, die andere Menschen stark macht!

Das griechische Wort stark machen ist das Wort sterizo.
Wir kennen es vom Begriff Steroide.
Andere stark machen
Anderen Mut machen
Andere auferbauen
Anderen Gutes zu sprechen
Für andere ein Segen sein
Nicht meinen Vorteil suchen, sondern den des anderen.
Für mich sind diese Verse pures Gold. Sie haben mir ungeheuerlich geholfen, nach zehn Jahren durchgeschüttelt werden nicht beim Selbstmitleid zu landen, mich nicht als Opfer zu fühlen, nicht meine Identität zu verlieren oder keine Berufung mehr zu spüren!
Weil ich nicht aufgehört habe Gott zu vertrauen, weil ich immer wieder zu Jesus zurückgekommen bin, mich wieder zurecht gefunden habe und einen klaren Kopf bekommen habe, hat mich das durchgeschüttelt werden und die Krisen nicht kaputt gemacht, sondern am Ende sogar stark gemacht.
Sie bilden ein wichtiges Fundament, haben mich Ausdauer, dranbleiben und durchhalten gelehrt. Und jetzt kann ich andere stark machen. Jetzt kann ich anderen zum Wachstum und zum Gedeihen verhelfen.
Und andere stark machen, 
das kann man als Pastor in der Gemeinde,
Als Gemeindeglied mit seinen Geschwistern,
Als Mutter in der Familie,
Als Vater mit seinen Kindern,
Als Lehrer mit seinen Schülern,
Als Arbeitnehmer bei seinen Kollegen,
Als Freund bei seinen Bekannten,
Als Einwohner bei seinen Nachbarn,
Als Bürger für sein Land.

Jesus ruft uns, besonders wenn wir durchgeschüttelt wurden, andere Menschen stark zu machen!






Donnerstag, 21. Januar 2016

Durchgeschüttelt werden Teil 1

Die erste christliche Gemeinschaft waren Jesus und seine zwölf Jünger.
Diese Gemeinschaft hatte das Potenzial ihr Umfeld zu verändern, Judäa zu verändern und am Ende sogar die Welt.
Diese Gemeinschaft würde die Botschaft Jesu weitertragen, sie würde Gottes Herrschaft in diese Welt bringen, den Armen dienen, die Verlorenen finden und vieles mehr.
Für Gottes Reich eine ungeheuer wichtige Gemeinschaft!
Für das Reich dieser Welt und das Reich der Finsternis eine ungeheuer gefährliche Gemeinschaft!

Und so erklärt es sich, dass Jesus bei seinem letzten Gespräch mit den Jüngern folgendes zu ihrem Leiter, nämlich Simon Petrus sagte: (Lukas 22,31-32)
31 »Simon, Simon! Pass gut auf! Gott hat dem Satan erlaubt, euch auf die Probe zu stellen und die Spreu vom Weizen zu scheiden. 32 Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube an mich nicht aufhört. Wenn du dann wieder zu mir zurückgefunden hast, musst du deine Brüder und Schwestern im Glauben an mich stärken!«  (GNB)


Da ist diese wichtige und gleichzeitig gefährliche Gemeinschaft von Nachfolgern.
Und nun kommt der Satan genauso wie damals bei Hiob und will diese Truppe durchschütteln und durchsieben, wie man den Weizen im Sieb schüttelt, um die Spreu von den Weizenkörnern zu trennen.
Das griechische Wort für Teufel (Diabolus) bedeutet ja »durcheinander schmeißer«
Und genau das möchte der Teufel mit dieser ersten Gemeinschaft machen:
Er will sie durchschütteln, Dinge durcheinanderbringen, sie auf die Probe stellen, herausfordern, um zu sehen, was von ihnen am Ende übrig bleibt.

Dieses durchgeschüttelt werden geschieht unter anderem
Durch schwierige Umstände, in die diese Gemeinschaft gerät
Durch Fehler die sie begehen
Durch Nöte, die über sie hereinbrechen
Oder durch Verfolgung, in die sie geraten

Und plötzlich geht es los mit den Herausforderungen und Prüfungen!
Jesus wird verhaftet und abgeführt und auch den Jüngern droht die Verhaftung und sie müssen fliehen.
Petrus wird erkannt und muss entscheiden, ob er sich zu Jesus stellt oder nicht.
Später erlebt die Urgemeinde Verfolgung und die Apostel werden mehrmals ausgepeitscht.
Ein hochbegabter Homeland Security Mitarbeiter namens Saulus wird auf diese Gemeinschaft angesetzt, sie mit Stumpf und Stiel auszurotten.
Die Gemeinde erlebt Streit und einzelne Volksgruppen innerhalb ihrer Gemeinschaft leben in Konkurrenz zueinander.
Einer ihrer Anführer mit Namen Stephanus wir tatsächlich hingerichtet.
Einige Jahre später werden sie alle aus Jerusalem vertrieben und müssen an anderen Orten komplett neu beginnen.

Der Teufel will sehen, was von dieser ganzen Gemeinschaft übrig bleibt.
Was ist dran an ihrem Glauben?
Wie weit her ist es mit ihrer Nachfolge?
Wie lange hält ihr Vertrauen?

Ich glaube das, was Hiob und später diese erste Gemeinschaft der Jünger erlebt hat, ist wahrscheinlich auch ein Stück weit unsere Geschichte.

Wahrscheinlich gibt es kaum einen von uns, der in seinem Leben nicht immer wieder durchgeschüttelt wurde.
Jeder kann wahrscheinlich eine Geschichte erzählen, 
wo sein Leben drunter und drüber ging,
Wo eine Hiobsbotschaft nach der anderen kam,
Wo sein Leben in die Krise geriet,
Wo seine Ehe oder andere Beziehungen in Schieflage gerieten,
Wo er beruflich enorm herausgefordert, sogar überfordert war,
Wo plötzlich diese ernste Krankheit diagnostiziert wurde,
Wo  ihm der finanzielle Boden unter den Füßen weggezogen wurde,
Wo Gott trotz intensiver Gebete einfach geschwiegen hat,
Wo man von seiner Gegenwart so gar nichts gespürt hat,
Wo Zweifel und Fragen größer waren als Glaube und Vertrauen.

Wie ist es möglich mit all diesem durchgeschüttelt werden nicht loszulassen?
Wie bleibt denn tatsächlich etwas von uns übrig?
Wie finden wir zurück zu einer tiefen Leidenschaft und Begeisterung für Jesus?

Ich glaube wir lernen aus diesen Text des Lukasevangeliums drei ganz entscheidende Schritte:
Jesus erwähnt drei Schritte in seinem Gespräch mit Petrus:
32 Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube an mich nicht aufhört. Wenn du dann wieder zu mir zurückgefunden hast, musst du deine Brüder und Schwestern im Glauben an mich stärken!«
Vertrauen
Umkehren und sich zurechtfinden
Die Brüder stärken

Was das konkret heißt kommt im nächsten Beitrag.


Sonntag, 6. Dezember 2015

Nochmals Vollkommenheit

In Ergänzung zu meinem letzten Artikel nochmals ein Wort zur Vollkommenheit. Die Aussage Jesu in der Bergpredigt, dass wir so vollkommen sein sollen wie unser Vater im Himmel vollkommen ist, wird von Jesus in der Feldrede im Lukasevangelium dahingehend konkretisiert, dass es dort heißt: Luk 6:36 Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!

Bei Vollkommenheit geht es also im wesentlichen um Barmherzigkeit! Die wahre, von Gott geforderte Vollkommenheit ist eben Barmherzigkeit.

Aber auch im Matthäusevangelium wird genau dieser Gedanke von Jesus selbst unterstrichen in der Geschichte vom reichen Jüngling. Hier stellt Jesus ebenfalls den Zusammenhang zwischen Vollkommenheit und Barmherzigkeit her. Nachdem der Jüngling selbstsicher behauptet, alle wesentlichen Gebote der Tora gehalten zu haben macht ihn Jesus auf das eigentliche Ziel, auf Vollkommenheit aufmerksam. Es sagt:

Mat 19:21 "Wenn du vollkommen sein willst, dann geh, und verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös den Armen - du wirst dann einen Schatz im Himmel haben -, und komm, folge mir nach."

Sowohl bei der Stelle in der Bergpredigt wie auch hier in Matthäus 19 wird für Vollkommenheit das griechische Wort teleios verwendet. Wenn dieser junge Mann vollkommen sein will erreicht er das dadurch, dass er den Armen gegenüber barmherzig ist, indem er seinen Besitz verkauft und ihn an die Armen verteilt.

Auch hier ist Vollkommenheit nichts anderes wie gelebte Barmherzigkeit. Auch diese Stelle macht deutlich, dass Gott in aller erster Linie Barmherzigkeit von uns verwaltet und genau das uns vollkommen macht.

Gott ist Liebe und Barmherzigkeit und genau das macht seine Verkommenheit aus. Gott hat nicht mehrere Haupteigenschaften, die zusammen genommen einen vollkommenen Gott ergeben. Gott ist Liebe, Punkt! Es ist eben falsch, wenn behauptet wird: Gott kann auch anderst. Als hätte Gott mehrere Wesen die er je nach Bedarf aus der Schublade zieht. Mal zornig, mal gerecht, mal strafend, mal lieb. Gott ist Liebe, das wurde in Christus deutlich und er ist nie anderst. Selbst wenn Gott gerecht ist, ist er die Liebe. Gottes Vollkommenheit zeigt sich in seiner Barmherzigkeit. Und genau darum ist sie auch unser höchstes Ziel!

 

Samstag, 5. Dezember 2015

Ihr sollt vollkommen sein!?

Eine der herausforderndsten Stellen in der Bergpredigt findet sich am Ende von Matthäus 5:

Mat 5:48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist."

Auf den ersten Blick scheint Jesus auszudrücken, dass seine Zuhörer genauso vollkommen sein müssen wir der allmächtige Gott. Aber wie ist das zu schaffen, dass ein sündiger Mensch so vollkommen und fehlerlos sein kann wie Gott?

Und was bedeutet "vollkommen" überhaupt? In der Auslegungs- und Predigtgeschichte musste diese Stelle für vielerlei herhalten. Für die einen ging es um moralische Vollkommenheit, für die anderen um sexuelle Reinheit, für wieder andere um einen makellosen Lebenswandel oder dogmatische Korrektheit. Einfach vollkommen. Und da nun wirklich jeder an diesem universellen Vollkommenheitsanspruch scheitert, wird er entweder überlesen oder dahin gedeutet, das jeder sich einfach so intensiv wie möglich anstrengen und bemühen soll, wie es geht.

Aber glücklicherweise legt sich die Bibel immer wieder selbst aus. Was nämlich Matthäus hier in der Bergpredigt zitiert, findet sich bei Lukas in der Feldrede. Beider Male ist der Kontext die Feindesliebe.

Mat 5:43 Ihr wisst, dass es heißt: 'Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen!'

Mat 5:44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.

Mat 5:45 So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne über Bösen und Guten aufgehen und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Mat 5:46 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür wohl verdient? Denn das machen auch die Zöllner.

Mat 5:47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr damit Besonderes? Das tun auch die, die Gott nicht kennen.

Mat 5:48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist."

Der Abschluss dieser Aufforderung zu einer großen Liebe ist dann unser Satz mit der Vollkommenheit. Schon hier deutet sich an, dass mit "vollkommen wie Gott" eher "liebevoll wie Gott" gemeint sein könnte.

Bei Lukas ist der Kontext folgender:

Luk 6:27 "Doch euch, die ihr mir wirklich zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen!

Luk 6:28 Segnet die, die euch verfluchen! Betet für die, die euch beleidigen! ...

Luk 6:35 Ihr aber sollt gerade eure Feinde lieben! Ihr sollt Gutes tun, ihr sollt leihen und euch keine Sorgen darüber machen, ob ihr es wiederbekommt. Dann wartet eine große Belohnung auf euch und ihr handelt wie Kinder des Höchsten. Denn er ist auch gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Luk 6:36 Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!

Auch hier macht Jesus deutlich, dass seine Jünger nicht nur ihre Freunde lieben sollen, sondern sich eben gerade auch über die Feinde erbarmen. Und Jesus schließt den Abschnitt damit ab, dass wir so barmherzig sein sollen wir Gott.

Wenn es bei Matthäus noch ganz allgemein heißt: "vollkommen sein wie Gott", dann wir diese Vollkommenheit bei Lukas konkretisiert und als Barmherzigkeit verstanden.

Es geht also nicht um die Aufforderung nach einem vollkommen makellosen und korrekten Leben, sondern darum, sich die Barmherzigkeit Gottes zum großen Ziel zu setzen. Wer vollkommen sein will wie Gott, der muss so barmherzig sein wie er.

Plötzlich ist das Streben nach Vollkommenheit nicht länger die auf mich, nach innen und auf meine Frömmigkeit gerichtete Anstrengung, sondern die Anstrengung für den anderen, die Barmherzigkeit, die ja auf den anderen, den Nächten und sogar den Feind gerichtet ist.

Das ist der Grundtenor der Reich Gottes Botschaft Jesu immer und immer wieder. Das ist auch der Dreh- und Angelpunkt unsre Nachfolge.

Montag, 2. November 2015

Israel als Gerichtsmassstab?

Vor einigen Tagen hatten wir im Rahmen eines städtischen Leitertreffens einen Vortrag von Johannes Gerloff. Als deutscher Theologe und Journalist lebt er seit vielen Jahren in Israel. Er ist geprägt von einer großen Liebe zu Israel und dem jüdischen Volk. In seinen Büchern beschäftigt er sich mit den Grenzen Israels, mit der Auslegung von Römer 9-11, mit dem Volk der Palästinenser und vielem mehr.
Was mir in seinem Vortrag entgegen kam war eine sehr einseitige Israeltheologie und ein ausgeprägtes schwarz-weiß Denken, das zu meinem Erstaunen immer wieder mit starkem Kopfnicken und zustimmendem Murmeln der anwesenden Leiter quittiert wurde.
Ich selbst war doch recht schockiert.
Zum einen haben Gerloffs Erfahrungen mit Moslems ihn zur grundsätzlichen Haltung gebracht, dass jeder Moslem besessen ist, weil der Islam nichts anderes als dämonische Besessenheit ist. Diese Pauschalisierung finde ich unfassbar. Sie ist geprägt von der Erfahrung, dass sich viele Moslems sehr schwer tun mit einer klaren Bekehrung und immer wieder hin und her gerissen sind. Aber das erlebe ich auch bei Atheisten oder anderen Menschen, die nach langer Prägung ohne Gott dann in die Nachfolge Jesu gerufen werden.
Die Bibel hat extra eine Beschreibung für diesen Kampf: es ist der Konflikt zwischen Geist und Fleisch, zwischen der neuen Natur und der Alten. Aber hier pauschal Dämonisierung ins Spiel zu bringen halte ich für völlig überzeichnet und wird der ernsten und hingebungsvollen Gottessuche vieler Moslems in keinster Weise gerecht. Es fördert vielmehr das Bild des bösen Moslems. So kann man Denken, wenn man von fanatischen Selbstmordattentätern spricht, die sich im Namen Gottes in die Luft sprengen um andere zu töten und zu verletzen. Aber Besessenheit auf alle Moslems zu beziehen ist fatal für den Umgang mit diesen Menschen und steht uns ausserdem überhaupt nicht zu als Aufgeforderte, keinen Menschen zu verurteilen.

Noch schwerwiegender in seinen praktischen Folgen fand ich aber seine Auslegung von Matthäus 25. Der berühmte Text, bei dem der König die Schafe von den Böcken trennt: die einen ins ewige Reich des Vaters und die anderen in ewiges Feuer. Für ihn ist das ein Text über das Gericht, und das Handeln der Menschen ist gerichtsentscheidend. Um welches Handeln geht es denn für ihn in diesem Text?
Für Gerloff geht es um den einen Satz des Königs: was wir mit den Brüdern getan haben oder eben nicht. Für ihn sind diese Brüder das Volk Israel, die Juden. Gerichtsentscheidend ist für ihn also, wie wir zu Israel stehen. Gleichgültigkeit oder Neutralität Israel gegenüber ist für ihn gerichtsentscheidend.
Nun bin ich absolut dafür, eine Liebe zu Israel zu entwickeln, dieses Volk, ihre Religion, ihr Land und ihre Kultur wertzuschätzen. Ich denke wir sollten allen Völkern gegenüber eine wohlwollende und freundschaftliche Haltung entwickeln, gerade zu Israel. Aber es zum Gerichtskriterium zu machen geht völlig am Text vorbei. In Matthäus 25 geht es um den Dienst an den Armen, den Kranken, den Nackten, den Hungrigen, den Fremden und Gefangenen. Seit Jahrhunderten dient dieser Text dazu, Christen zu einem diakonischen und barmherzigen Verhalten zu rufen. Wie stehen wir zu den Schwachen und Armen, den Vertriebenen und Gefolterten, den Hungernden und Ausgebeuteten? Viel diakonische Arbeit der ersten Christen bis zu den christlichen Krankenhäusern der Neuzeit haben diesen Text als  Grundlage. Dieser Text ist ein Meilenstein der christlichen Nächstenliebe und Diakonie seit 2000 Jahren.

Nach unserem Treffen ist so mancher Leiter nach Hause gegangen mit dem Gedanken, dass es nun vor allem darum geht, wie man zu Israel steht. Mit einem Wisch das diakonische Anliegen Jesu vom Tisch gefegt und mit Israelliebe ersetzt. Da finde ich eine Katastrophe! Das ist ein weiterer Schritt in Richtung dieser einseitigen, Scheuklappen tragenden Israelüberbetonung. Und was heißt nicht gleichgültig oder neutral zu Israel zu stehen? Muss ich jetzt mein Olivenöl von dort beziehen oder Waffenlieferungen an Israel gut heißen? Auf diese konkrete Rückfrage aus dem Publikum blieb Gerloff eine Antwort schuldig.
Gerloff kommt zu dieser Auslegung, weil er vom alten Testament her denkt. Und da sind mit "Brüder" immer die anderen Juden gemeint. Für ihn muss man die Bibel von vorne lesen. Das NT vom AT herkommend deuten. Aber hier steckt bereits der Fehler. Ich sehe das genau andersherum. Jesus ist die letzte und grosse Offenbarung Gottes und wir sehen alles in seinem Licht. Wir können das AT eben erst durch Jesus vertstehen. So vieles bleibt widersprüchlich und verstörend im AT, wenn es nicht von Jesus her verstanden wird. Man muss die Bibel von Jesus her lesen, nicht von vorne!

Ich bin ein Freund Israel, ich war schon mehrmals dort, habe Freunde dort, habe eine Israelreise für unsere Gemeinde organisiert und könnte mir vorstellen dort für eine gewisse Zeit zu leben. Nach dem Holocaust durch die Deutschen bleiben wir ewig dem Wohlergehen Israels verpflichtet. Aber die evangelikale Israelromantik erinnert mich ganz stark an die katholische Marienverehrung, die den Evangelikalen doch so viel Mühe bereitet.
Da gibt es diese Maria, die eine besondere Rolle im Glauben des Katholiken spielen muss, die man besonders verehren soll, zu der man beten soll und die eine ganz zentrale heilsgeschichtliche  Bedeutung hat. Wer diese Haltung zu Maria vermissen lässt wird eines wenig ernsthaften Glaubens verdächtigt.
Auf evangelikaler Seite lässt sich Maria mit Israel austauschen, die inneren Reflexe sind dieselben: Israel muss eine besondere Rolle im Glauben spielen, man muss es besonders verehren, für Israel beten und seine zentrale biblische und heilsgeschichtliche Bedeutung erkennen. Wer das nicht tut, dem wird mangelnde Erketniss der Wahrheit unterstellt.
Scheinbar brauchen viele Christen etwas Handgreifliches für ihre Gottesverehrung. Ob es eine historische Frau ist, ein irdisches Volk oder ein goldenes Kalb. Aber ist Gott nicht gerade Mensch geworden, damit wir ein für allemal etwas Handgreifliches für unseren Glauben haben? Eine irdische Person, der Mensch Jesus Christus, ein Mann aus Fleisch und Blut. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es da für so viele Gläubige wichtig ist, noch eine Maria oder ein Israel oder sonst etwas ihrer Gottesverehrung hinzuzufügen. Mir reicht Jesus vollkommen aus. Ich kann mich nicht satt sehen und denken an ihm.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Shoppingpause


Seit einigen Jahren beschäftigt uns als Ehepaar und Familie das Thema Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Umgang mit Besitz, Reichtum und Armut. Viele Gespräche zum Thema, Austausch mit Freunden, gute Bücher und der Besuch von Konferenzen haben in uns den Wunsch wachsen lassen, ganz persönlich einen Beitrag zu diesem Thema zu leisten. Als Pastor habe ich die Thematik auch immer wieder in Predigten aufgenommen und 2011 sogar den Stopp Armut Preis gewonnen. Seither sind wir am Experimentieren und probieren verschiedene Dinge aus, die uns helfen, diese Thematik in unseren Alltag zu integrieren und Schritt für Schritt umzusetzen.

Unser jüngstes Experiment ist diese Shoppingpause: Ein Jahr lang auf Shopping verzichten! Was dahinter steckt und wie es uns dabei ergeht, davon handelt unsere neue Webseite: shoppingpause.com

Wir suchen ein paar Verrückte und Experimentierfreudige, die sich unserem Selbstversuch anschliessen wollen.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Ein Wort an Ehemänner

Ein Wort an Ehemänner

Nehmt Eheprobleme ernst!

Immer und immer wieder erlebe ich das gleiche Szenario:

Ehefrauen empfinden meistens wesentlich schneller Probleme in der Ehe als Männer. Für sie ist wesentlich früher die Harmonie gestört, das Fundament verschoben, das Glück in Gefahr, die Zweisamkeit angeknackst.

Und wenn Frauen anfangen, dieses Empfinden zu thematisieren, wenn sie darüber reden wollen, dann neigen viele Männer dazu, das Ganze nicht wahrhaben zu wollen und es nicht aufzugreifen. Innerlich denken wir Männer dann:

Stell dich doch nicht so an, es ist doch alles o.k., ich auf alle Fälle bin glücklich.

Ich muss so viel arbeiten, ich habe so viele Probleme bei der Arbeit, ich will nicht nach Hause kommen und dann nochmal auf Probleme stoßen.

Ich will, dass es einfach funktioniert zu Hause.

Ich will, dass meine Welt heil bleibt! Ich habe keine Lust auf dauernde Grundsatzdiskussionen.

Ich will, dass mein zuhause der Ort des Glücks ist, wo ich ankomme, heimkomme, auftanken und genießen kann.

Und ständig müssen die Frauen dann mit irgendwelchen Problemen kommen, mit Harmoniestörungen und Rissen in der Zweisamkeit.

Was stimmt denn jetzt schon wieder nicht für sie?

Die soll sich nicht so anstellen, nicht so kompliziert tun, nicht so anspruchsvoll sein.

Und so neigen wir Männer dazu, das, was unsere Frauen thematisieren wollen, zu banalisieren, zu verdrängen oder einfach nicht ernst zu nehmen.

Wir machen innerlich zu beim ersten Anzeichen, dass Frauen an unserer Ehe herum kritisieren. Wir hören nicht hin und lassen uns nicht darauf ein.

Und dann wundern wir uns, warum Frauen plötzlich nach ein paar Jahren nicht mehr mit uns zusammen leben wollen, ausbrechen müssen oder sich in einen anderen Mann verlieben.

Und wenn wir sie dann zur Rede stellen, hören wir diesen berüchtigten Satz: ich habe es doch jahrelang versucht, mit dir über unsere Eheprobleme zu reden. Du wolltest einfach nicht hören!

Und wenn wir dann endlich aufwachen und hinhören wollen und uns der Problematik annehmen, ist es leider oft zu spät und das Wohlwollen und die Motivation und die Liebe der Frauen haben sich verbraucht.

So bitte ich euch ihr lieben Männer: nehmt es ernst und greift es auf, wenn eure Frauen etwas an eurer Ehe zu bemängeln haben.

Auch wenn das Kraft kostet und unangenehm ist - Es ist kein Vergleich zu der Kraft und der Verzweiflung und der Hilflosigkeit und der Ohnmacht und dem Schmerz, die es kostet, wenn man nicht hinhört und weiterhin die Anliegen unserer Frauen nicht wirklich ernst nimmt.

Und dieses ernst nehmen muss ja kein Schuldeingeständnis sein. Aber eben mindestens die Bereitschaft, darüber zu reden und miteinander eine Lösung zu finden.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Was Ehen stark macht

Am vergangenen Sonntag haben meine Frau Nina und ich gemeinsam im Gottesdienst darüber gesprochen, wie man die eigene Ehe stärken kann und die gemeinsame Schnittmenge pflegen.
Wir empfehlen diesen Talk allen bestehenden und werdenden Ehepaaren wärmstens.