Mittwoch, 18. Dezember 2019

Was Jesus über John Wick denkt

Gestern hatte ich einen freien Abend. Meine Frau war mit Freundinnen unterwegs und ich konnte einen Film anschauen, den sie sicher nicht mit mir ansehen würde: John Wick 3. Die ersten beiden Teile hatte ich bereits gesehen und nun war der dritte Teil dran.
Beim Ansehen waren die Darstellungen der Gewalt, das Spritzen des Blutes, das Erschießen und Erstechen zum Teil so drastisch, dass ich tatsächlich zwischendurch wegschauen musste oder die Augen schließen. Da werden Dutzende von Menschen erschossen, mit Messern unzählige Feinde nacheinander abgestochen und mit einfachsten Waffen regelrecht abgeschlachtet. Bei den ersten zwei Teilen fand ich das nicht ganz so krass. Vielleicht war meine Seele gestern auch einfach in einem empfindsameren Zustand.
Ich habe mich danach gefragt, ob nicht nur meine Frau, sondern auch Jesus sich geweigert hätte, diesen Film mit mir anzuschauen. Mir ist schon klar, dass diese Frage, ob Jesus etwas mit uns tun würde, immer hinkt. Aber falls Jesus tatsächlich eine Zeit lang meinen Alltag mit mir teilen würde, mit welchen Teilen davon hätte er seine Mühe?
Ich habe mir dann überlegt, ob er grundsätzlich einen Krimi mit mir anschauen würde? Hätte er Interesse daran, das Töten von Menschen anzusehen oder das spätere Aufklären von Morden? „ Du sollst nicht töten“ ist ein zentrales Gebot, Morden ist Sünde. Möchte Jesus sich sowas ansehen?
Mit diesen Gedanken bin ich dann eingeschlafen und interessanterweise auch wieder aufgewacht. Jesus und das Betrachten von Gewalt hat mich beschäftigt.
Nach dem Frühstück habe ich mir dann Zeit genommen für meine klassische Bibellektüre, wo ich gerade das zweite Samuelbuch lese. Mit John Wick im Hintergrund begann ich meinen entsprechenden Tagesabschnitte zu lesen. Ich zitiere hier einige Verse, die ich dann gelesen habe:
2.Samuel 23: Davids Elitetruppe
8 Es folgen die Namen der Elitetruppe Davids: Jischbaal aus der Sippe Hachmoni, Anführer der Wagenkämpfer. Er schwang seinen Speer über 800 Mann, die er in einer Schlacht durchbohrte. 9 Der zweite nach ihm war Eleasar Ben-Dodo, ein Nachkomme Ahoachs. Er war einer der drei, die David bei sich hatte, als sie die Philister verhöhnten, die sich dort zum Kampf versammelt hatten. Als die Männer Israels sich zurückzogen, 10 stand er aufrecht und schlug auf die Philister ein, bis sein Arm erlahmte und seine Hand am Schwert kleben blieb. So schenkte Jahwe damals einen großen Sieg... 12 Schamma stellte sich mitten in das Feldstück, entriss es den Philistern und schlug sie. So schaffte Jahwe eine große Rettung. ... 18 Abischai Ben-Zeruja, der Bruder Joabs, war der Anführer der Dreißig und hochgeachtet unter ihnen. Er tötete 300 Feinde mit dem Speer 19 und war angesehener als die Dreißig. ... 21 Er war es auch, der den gewaltigen mit einem Speer bewaffneten Ägypter erschlug. Mit einem Stock ging er zu dem Ägypter hinunter, riss ihm den Speer aus der Hand und durchbohrte ihn damit.

Gestern schaue ich John Wick und heute lese ich von Davids Helden. Der Berühmteste ersticht in einer Schlacht 800 Mann. John Wick kam höchstens auf 100 Tote im ganzen Film. Während die anderen sich vom Kampf zurückziehen, kämpft ein weiterer Held Davids unerbittlich, bis sein Arm lahm wird uns seine Hand durch das viel Blut am Schwert kleben bleibt. Erinnert in der Tat sehr an Szenen vom Abend zuvor.
Der Nächste tötet 300 Mann mit einem Speer, ein andere reißt dem Feind die Waffe aus der Hand und tötet ihn mit derselben. Das ist bei John Wick Standard. In der Anfangsszene entreißt er einem Feind ein Buch und tötet ihn mit demselben.

Meine Seele sagt mir, dass Jesus keine sonderliche Freude an den Gewaltexzessen eines John Wick hätte und gleichzeitig klingt meine Stille Zeit aus dem Samuelbuch wie Szenen für John Wick 4.

Was ist denn da los? Momengan lese ich das Buch von Marion Küstenmacher: Gott 9.0 - Sie schildert darin die verschiedenen Entwicklungsstufen des Individuums, der Gemeinschaft und der Gesellschaft und auch die unterschiedlichen Gottesvorstellungen seit Anbeginn der Menschheit.
Sie macht deutlich, dass die verschiedenen Entwicklungsstufen zeitlich in unserer Welt aufeinanderfolgen und gleichzeitig allesamt in uns selbst vorhanden sind. In der Bibel finden sich Aussagen und Texte die von Gott 1.0 bis Gott 8.0 reichen. Damit soll nicht zum Ausdruck kommen, dass Gott selbst sich entwickelt, sondern dass unterschiedliche Stufen von menschlichem Bewusstsein auch unterschiedliche Gottesvorstellungen hervorbringen.
John Wick und 2. Samuel bewegen sich auf Stufe 3.0. und auch die Gottesvorstellung dahinter ist Gott 3.0. Küstenmacher schreibt:

Gott 3.0: Kriegsgott Jahwe
Auch Jahwe, der Gott Israels, ist ein roter Kriegsgott, der mit Sturm, Gewitter und Erdbeben einherfährt. Er ist kriegerisch, leidenschaftlich, rachsüchtig, manchmal unberechenbar und unfassbar grausam, dann wieder voll zärtlicher Zuwendung gegenüber seinem Volk. Er brüllt wie ein Löwe (Joel 4, 16), er schlägt mit dem Stock (Jesaja 30, 31), er stößt die Feinde »aus ihrem Land in großem Zorn, voller Grimm und ohne Erbarmen« (5. Mose/ Deuteronomium 29, 27). So grausam das alles klingt, dieser Jahwe ist den ebenso blutrünstigen ROTEN Göttern anderer Volksgruppen ringsum auf jeden Fall gewachsen. ... Spiegelbildlich dazu verhalten sich die Anführer des Volkes Israel, allen voran die ROTEN Helden des Richterbuchs: archaische Raufbolde und Haudegen wie Gideon und Simson, die über bemerkenswerte physische Kräfte verfügen und sie hemmungslos einsetzen. ROT verkörpern auch listige Frauen wie Delila, die hilft, Simson zu Fall zu bringen, indem sie sein Vertrauen missbraucht. Oder Jaël, die dem schlafenden Feldhauptmann Sisera einen Pflock durch die Schläfe bohrt (Richter 4, 1-2).

Mir hilft dieser Ansatz, nicht alle Aussagen und Szenen in der Bibel auf einer Stufe sehen zu müssen. Verschiedene biblische Texte spiegeln verschiedenen Bewusstseinsstufen und auch Gottesvorstellungen wieder. Und es ist gut, dass die Bibel das so macht, denn alle Stufen finde ich ihn mir selbst wieder, alle haben ihre Berechtigung und ihre Versuchungen in mir. Ich bin mit meinem ganzen Leben, alle Lebenserfahrungen und allen inneren Impulsen in dieser Bibel aufgehoben, weil alles vorkommt. Und gleichzeitig entdecke ich, wohin ich mich entwickeln darf, welches Potenzial und welche Veränderung auf mich wartet.
Jesus als vollkommene Offenbarung des Charakters Gottes weißt mir hier den Weg.

Ich stehe bei dem Buch von Küstenmacher erst am Anfang. Weitere Erkenntnis werde ich hier in meinem Blog versuchen zu formulieren.

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