Freitag, 21. August 2015
Bibelverständnis und Beweglichkeit
Ob in Diskussionen, Gesprächen, Bibelstunden oder beim Lesen. Wer ein enges Bibelverständnis hat, tut sich schwer, sich innerlich zu bewegen, sich auf neue Gedanken einzulassen, neues Denken zuzulassen.
Das Bibelverständnis wird zum inneren Über-Ich, zum Zuchtmeister, der mir ständig über die denkerische Schulter schaut und zum erbarmungslosen Zensor. Wir ärgern uns über China oder die Türkei, die ihre Bürger angeblich schützen wollen, indem sie unliebsame Meinungen auf diversen Onlineseiten zensieren oder diese ganz abschalten. Aber oft läuft dasselbe in unserem eigenen Denekn ab. Durch mein enges Bibelverständnis ist meine Bewegungsfreiheit eingeschränkt und der Speiltaum des Denkes außerordentlich klein.
Besonders krass fällt mir das beim Thema Homosexualität auf. In Diskussionen zum Thema findet sich kaum Bwegeung. Ein enges Bibelverständnis verhindert hier jede Beweglichkeit, bereits im Denken. Es darf garnicht weitergedacht werden geschweige denn Bewegung in die eigene Überzeugung kommen.
Selbst wenn ich durch persönliche Betroffenheit oder eigene Erfahrungen weiterdenken möchte, anders denken möchte, wird jede denkerische Bewegung im Keim erstickt.
Aber genau diese Bewegungslosigkeit hat der Entwicklung der Kirche immer wieder geschadet und ihre Glaubwürdigkeit beschädigt.
Es war die denkerische Unbeweglichkeit der römischen Kurie, die einen Galileo zum Wiederruf zwang. Es war die denkerische Unbeweglichkeit, die manch selbstbewusste Frau auf den Scheiterhaufen brachte. Wir rühmen uns heute oft unsrer Offenheit und Toleranz, aber ich befürchte, dass wir unter der gleichen Bewegungslosigkeit leiden, nur mit anderen Themen.
Es bleibt die spannende Frage, wie ein Bibelverständnis aussieht, dass Gottes Wort ernst nimmt und doch Bewegung zulässt. Als Gemeinde versuchen wir seit längerem diesen Weg zu gehen und ein alternatives Bibelverständnis zu formulieren - nicht fundamenatlistisch und nicht liberal.
Mehr dazu in den kommenden Wochen.
Sonntag, 16. August 2015
Was ist eigentlich Diskriminierung?
Immer wieder ist in der Politik oder in den Medien von Diskriminierung die Rede. Ständig fühlt sich irgendeine Gruppe von irgendjemanden diskriminiert.
Was bedeutet eigentlich Diskriminierung? Wikipedia definiert es so:
Das Wort Diskriminierung stammt von dem aus dem lateinischen Verb discriminare „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden“ im Spätlateinischen abgeleiteten Verbalsubstantiv discriminatio „Scheidung, Absonderung.“[1] Das Verb diskriminieren wurde im 16. Jahrhundert in der wertneutralen Bedeutung „unterscheiden, sondern, trennen“ ins Deutsche entlehnt und ist dort seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich belegt.[1] Seit dem späten 20. Jahrhundert bedeutet es mit negativer Bewertung „jemanden herabsetzen, benachteiligen, zurücksetzen“, zunächst im Politischen und dann vor allem im sozialen Bereich,[1] während die ältere wertneutrale Bedeutung des Verbs nur noch vereinzelt fachsprachlich erscheint.
Diskriminierung ist schlecht. Menschen von etwas ausschließen ist immer schmerzhaft und stellt eine große Ungerechtigkeit dar. Denken wir nur an die Rassendiskriminierung der Schwarzen in Amerika, an die Apartheid oder den Holocaust.
Aber gleichzeitig nimmt die Angst vor Diskriminierung heute schon bizarre Formen an. Schnell passiert es, das Ungleichbehandlung immer gleich mit Diskriminierung gleichgesetzt wird. Menschen fühlen sich diskriminiert, sobald sie nicht gleich behandelt werden.
Es gibt ein zunehmendes Diktat der Gleichbehandlung, denn alles andere wäre Diskriminierung. Wer sich heute erlaubt, Menschen ungleich zu behandeln, muss sich den Vorwurf der Diskriminierung gefallen lassen.
Und so kommt es, dass auch wichtige Unterschiede von Menschen, Altersunterschiede, Bildungsunterschiede, unterschiedliche gesundheitliche Verfassungen gleich behandelt werden müssen.
Aber genau das kann Menschen auch überfordern. Und es setzt Beteiligte und Betroffene auch oft unter Druck. So muss das geistig behinderte Kind den Platz auf dem Gymnasium bekommen, alles andere wäre diskriminierend. Ist diese Gleichbehandlung aber wirklich geeignet, das behinderte Kind angemessen zu fördern?
Weil Menschen so individuell sind, so unterschiedlich, wird die geforderte Gleichbehandlung eben kontraproduktiv. Wo natürlich ganze Bevölkerungsgruppen anders behandelt werden, weil sie schwarz sind oder Juden, da findet sich ja gerade wieder die Gleichbehandlung, die von den Diskriminierungswächtern so abgelehnt wird.
Insofern ist die Vermeidung von Diskriminierung durch Gleichbehandlung eben eine Michmädchenrechnung. Diskriminierung wird nicht dadurch vermieden, dass man alle gleich behandelt, sondern gerade individuelle Lösungen sucht.
Und wenn dann jemand bewusst andere Bedingungen, Möglichkeiten, Chancen, Grenzen oder Regeln bekommt, dann hat das nicht unbedingt etwas mit Diskriminierung zu tun, sondern mit guter Wahrnehmung und Wertschätzung einzelner Menschen oder Personengruppen.
Freitag, 14. August 2015
Elternliebe und Agape
Ihr Eltern - wenn euch eure Kinder um ein Stück Brot bitten, gebt ihr ihnen dann stattdessen einen Stein? Oder wenn sie euch um einen Fisch bitten, gebt ihr ihnen eine Schlange? Natürlich nicht! So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.«Jesus spricht in diesem Abschnitt über das Gebet und macht bewusst einen Vergleich:
Er vergleicht Eltern, die von ihren Kindern um etwas gebeten werden mit Gott, der von den Gläubigen um etwas gebeten wird. Es scheint also legitim zu sein das Empfinden und die Fürsorge der Eltern mit der von Gott zu vergleichen. Jesus malt den Zuhörern das fürsorgliche Verhalten von Eltern vor Augen.
Wenn ihre Kinder Hunger haben und um Essen bitten, verstehen Eltern dieses Grundbedürfnis ihrer Kinder, nehmen den Hunger war, leisten Fürsorge und verweigern nicht das Essen, geschweige denn geben anstatt Essen schlechte Sachen an ihre Kinder.
Jesus will sagen: Schaut euch euer menschliches Mitgefühl, eurer menschliche Fürsorge, eure menschliche Liebe zu euren Kindern an, und dann habt ihr eine kleine Ahnung vom Mitgefühl, von der Fürsorge und der Liebe Gottes.
11 So schlecht ihr auch seid, ihr wisst doch, was euren Kindern gut tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.«Wir dürfen von unseren positiven und liebevollen Gefühlen ausgehen und sie mit Gottes Empfinden vergleichen. Was wir an positiven Empfindungen bei uns entdecken, genau das ist auch bei Gott vorhanden, aber in unvergleichlich größere Masse.
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| fotocommunity.de, Karl Koczera |
Nach 22 Jahren Pause bin ich vor zehn Monaten noch einmal Vater geworden. Und mir ist noch einmal bewusst geworden, was ein neugeborenes Kind mit einem macht. Da kommt man mit diesem Neugeborenen nachhause und staunt über dieses neue Leben. Und schon nach ganz kurzer Zeit in der sich eine Beziehung zu diesem neuen Menschen entwickelt. Es geschieht etwas eigenartiges: Man entwickelt eine ungeheure Liebe zu diesem Kind. Für nichts in der Welt würde man dieses Kind wieder hergeben und es wäre ein absolutes Trauma, wenn dieses Kind, das jetzt vielleicht vier oder acht oder zwölf Wochen alt ist krank werden würde oder sogar sterben. Obwohl es dieses Kind zuvor gar nicht gab, würde man es jetzt niemals mehr hergeben und entdeckt in sich eine Quelle, ein Reservoir an Liebe für dieses Kind, das es vorher gar nicht gab. Irgendwo kommt diese Liebe plötzlich her. Man sitzt neben diesem Babybettchen, riecht die Haare, schaut in diese Augen, wechselt die Windel und empfindet ein Meer an Zuneigung
Und wenn man sich das bewusst macht, wird einem klar, dass es bedingungslose Liebe ist.
Ein Säugling kann nichts leisten, unserer Liebe keinen Grund liefern, uns nicht motivieren zu lieben und kann keine Bedingungen erfüllen. Er spendet auch keine Liebe oder geht auf uns ein. Er schenkt uns am Anfang nicht einmal ein Lächeln.
Und doch lieben wir unsere Säuglinge von Herzen und würden unser Leben für sie geben. Trotz des Schreiens, der Arbeit und den durchwachten Nächten.
Dieses Neugeborene erbringt ja noch keinerlei Leistung, sondern macht nur Arbeit. Es ist beschwerlich, raubt uns Schlaf, Kraft und Geld.
Aber diese Liebe zu einem Kind ist von besonderer Qualität!
Sie muss vom Kind nicht motiviert werden.
Sie braucht kein spezielles Verhalten oder Anständigkeit als Auslöser.
Diese Liebe ist nicht die Reaktion auf das liebenswerte Verhalten des Kindes, sondern diese Liebe stellt den unendlichen Wert dieses Kindes fest, ganz ohne dessen Leistung, ohne dessen Arbeit, Pflichterfüllung, Erfolg oder moralisches Verhalten. Die Liebe zu einem Baby ist bedingungslose, schenkende, gönnende Liebe.
Und genau darin gleicht unsere Liebe der Liebe Gottes.
Das Neue Testament nennt diese Liebe Agape. Wir dürfen uns Gott gegenüber wie Säuglinge sehen: ohne Leistung, ohne Grund den wir liefern müssen, mit vielen Bedürfnissen, hilflos, anstrengend und doch unendlich geliebt. Dieser Gott gibt sogar sein Leben für uns.
Normalerweise ist unsere Liebe, die die Bibel Eros nennt, vom Wert ihres Gegenübers abhängig und motiviert. Eros bemisst den Wert eines anderen Menschen und liebt entsprechend, je nachdem wie liebenswert jemand ist.
Eros ist das Streben nach dem, was einem fehlt und was man braucht.
Agape hingegen ist gönnende, schenkende Liebe, sie ist zuvorkommend, der andere kommt zuerst!
Der Mensch liebt normalerweise, wenn er etwas Liebenswertes vorfindet.
Gott liebt und stellt damit beim anderen ewigen Wert her.
Eros ist Reaktion auf einen Liebesimpuls. Fehlt dieser Impuls, kann auch nicht geliebt werden. Gott braucht keinen Liebesimpuls, um zu lieben.
Dementsprechend kann Gottes Liebe auch nicht gesteigert werden. Anständigkeit oder Gehorsam oder Anbetung steigern nicht die Liebe Gottes zu uns. Gott braucht keinen Grund um uns zu lieben! Keinen Auslöser! Daher kann man Gottes Liebe auch nicht verdienen. Genauso wenig verlieren!
Gottes Liebe ist vorausgehende Liebe. Sie folgt keinem Auslöser, keinem Grund, keiner menschlichen Anstrengung nach. Sie ist bereits da!
Agape ist im wahrsten Sinne des Wortes Feindesliebe. Diese Liebe kann auch den Feind lieben, weil sie nichts Liebenswertes oder Freundschaftliches vorfinden muss, um lieben zu können. Für Eros ist Feindesliebe vollkommen unmöglich, weil sie am Feind nichts Liebenswertes findet, sonst wäre es ja kein Feind. Eros ist Liebe mit Absicht, mit Hoffnung und Erwartung.
Agape ist Liebe, die sich verschenkt, die nicht das Ihre sucht und die keine Erwartungen hat.
Vielleicht hat Gott uns Eltern diese Agape-Fähigkeit ihren Neugeborenen gegenüber geschenkt, um uns eine Erinnerung an seine Agape zu schenken. Denn diese bedingungslose, gönnende Liebe zu einem Säugling ist ein wunderbares Abbild für Gottes bedingungslose und gönnende Liebe zu uns, einfach noch unbeschreiblich stärker.
Und natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, sich Gottes Liebe zu vergegenwärtigen. Und natürlich ist das auch für Menschen möglich, die keine Kinder haben. Aber nicht umsonst will Jesus den Vergleich zwischen Elternliebe und Gottesliebe. Und nicht umsonst wird Gott im Neuen Testament hauptsächlich als Vater bezeichnet.
Freitag, 31. Juli 2015
Donnerstag, 30. Juli 2015
Freitag, 24. Juli 2015
Mittwoch, 22. Juli 2015
Freitag, 26. Juni 2015
Buchempfehlungen Sommerferien 2015
Einige Bücher habe ich bereits in Predigten der vergangenen Monate verschiedentlich erwähnt.
Die Buchbeschreibungen habe ich von den Buchdeckeln oder dem Internet.
1. Ulrich Eggers: Ehrlich glauben

Hier finden Sie Impulse für einen ehrlichen Glauben! Denn: Auch Christen lügen! Manchmal bewusst, meistens unbewusst und intuitiv. Unser Mund lügt, unser Schweigen lügt, unsere Fassade lügt, auch unsere Beziehungssysteme und Gemeinden fördern die Unwahrheit. Der Chefredakteur des Magazins AUFATMEN, Ulrich Eggers, analysiert, warum das so ist, und zeigt auf, wie wir unsere frommen Fassaden einreißen können. Seine These: Christen müssen aus der Unfreiheit eines Doppellebens mit Heiligenschein herausfinden. In 50 sehr persönlichen Impulsen, jeweils mit Fragen zum Weiterdenken, wird deutlich, wie echte Freiheit in Christus aussehen kann.
Dieses Buch greift nochmals ganz gut dieses wichtige Thema auf, wie wir ehrlich und authentisch unseren Glauben leben können.
2. Rob Bell: Mit dir. Für dich. Vor dir - Was Gott ist. Und was nicht.

Mit Gott gibt es ein gravierendes Problem. Viele Menschen behandeln ihn wie einen Oldtimer, wie ein Auslaufmodell. Ein Relikt aus einer anderen Zeit - kaum ernst zu nehmen, kaum relevant. Rob Bell fordert dazu heraus, das eigene Bild von Gott zu hinterfragen und festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen. Gott ist mit uns, für uns, und er geht uns voran. Wenn wir das zutiefst verstehen, wird unser Leben tiefer, intensiver, zufriedener, glücklicher sein, als wir es jemals für möglich gehalten hätten.
Dieses Buch bin ich gerade am Lesen. Man muss sich ein wenig bis Kapitel 3 durcharbeiten, aber dann geht es richtig los.
Und wenn wir schon bei Rob Bell sind, dann empfehle ich als wichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Ewigkeit und Hölle sein Buch:
3. Rob Bell: Das letzte Wort hat die Liebe

Zahllose Christen aller Zeiten haben mit der Frage gerungen, wie der Glaube einerseits sagen kann: „Gott ist die Liebe“ und andererseits die Möglichkeit betont, dass Millionen Menschen auf ewig von Gott getrennt sein werden. Rob Bell zeichnet in diesem Buch die Fragen nach, die sich aus dieser Spannung ergeben. Wie kann Gott die Freiheit des Menschen ernst nehmen, die die Liebe erfordert – und zugleich sein eigenes Ziel erreichen, alle Menschen für seine Liebe zu gewinnen? Und wie lassen sich die biblischen Begriffe Rettung, Verdammnis, Umkehr, Himmel und Hölle verstehen? Dieses Buch zeigt ungewöhnliche Perspektiven auf, die zu der Entdeckung führen: Die „gute Nachricht“ ist noch viel besser, als wir bisher gedacht haben.
Das Buch stellt viele Fragen, ohne am Ende eine eindeutige Antwort zu geben, ob es eine ewige Hölle gibt. Aber es sind genau diese Fragen, die uns helfen, manch verkrustete oder hermetisch abgeriegelte Thematik neu zu beleuchten und frischer Luft auszusetzen.
4. Shane Claiborne, Tony Campolo: Die Jesus-Revolution: Was passiert, wenn wir IHN beim Wort nehmen.


Shane Claiborne und Tony Campolo geht es um nichts weniger, als eine neue Jesus-Bewegung ins Leben zu rufen. Eine Bewegung, die den Worten Jesu viel mehr Gewicht gibt, als dies in großen Teilen der Christenheit der Fall ist. Dabei greifen sie brandaktuelle Fragen vieler Christen auf und setzen sie in den direkten Kontext zu Aussagen Jesu. Es geht um vieldiskutierte Themen wie Homosexualität, Islam, zur Rolle des Heiligen Geistes oder zur Abtreibung. Um die Verantwortung bei der sozialen Ungerechtigkeit dieser Welt. Um Umweltschutz. Und nicht zuletzt um die unbequeme Frage nach der Hölle. Ein unangenehmes Buch mit erhobenem Zeigefinger also? Mitnichten. Vielmehr wirken die Ansichten der beiden renommierten Autoren äußerst befreiend. Gleichzeitig sind sie stets durch den direkten Bezug auf Jesus fundiert. Ein Dialog zwischen dem jungen Wilden Claiborne und dem alten Weisen Campolo, ebenso spannend wie theologisch durchdacht. Radikal und dennoch Brücken bauend, wild und gleichzeitig weise.
Dieses Buch finde ich ein unbedingtes Muss! In vielen kleinen Kapiteln greifen sie ganz unterschiedliche Themen auf und beleuchten, was eigentlich Jesus wirklich zu diesen Themen gesagt hat und was das für uns heute bedeutet.
5. Clare De Graaf: Das 10-Sekunden-Prinzip: Tu als Nächstes einfach das, von dem du ziemlich sicher bist, dass Jesus es möchte

Tu als Nächstes einfach das, von dem du ziemlich sicher bist, dass Jesus es möchte! Warte nicht länger als 10 Sekunden! Und wäge nicht erst alle Zweifel, Risiken und Nebenwirkungen ab! Darum geht es in diesem Buch von Clare de Graaf. Denn der Autor weiß aus eigener Erfahrung: Wer zu lange zögert, entscheidet sich gegen Gottes Auftrag. Das 10-Sekunden-Prinzip hilft, die schnelle Entscheidung für das Richtige zu trainieren, um praktische Jesusnachfolge im Alltag zu leben. "Selten bringt mich ein Buch dazu, sofort aktiv zu werden. Das 10-Sekunden-Prinzip hat genau das geschafft. Als ich mit dem Lesen fertig war, habe ich mich hingekniet … und mich neu dazu entschieden, als Nächstes das zu tun, worum Jesus mich bittet'." -- Bill Hybels, Hauptpastor der Willow Creek Community Church und Hauptvorsitzender der Willow Creek Association "Nach dem Prinzip zu leben, ist der Weg der Zukunft! 10 Sekunden können Ihr Leben verändern." -- John Ortberg, Pastor und Autor
Auch dieses Buch habe ich am Anfang des Jahres einmal vorgestellt und in einer Predigt aufgegriffen. Wer dieses praktische und spannende Thema vertiefen möchte, dem empfehle ich dieses Buch sehr.
6 Vorträge von Worthaus.org
Auf der Seite von Worthaus (www.worthaus.org) finden sich viele Vorträge von Professor Zimmer, den wir im Herbst zu uns eingeladen haben.
Die Idee von Worthaus ist: Worthaus ist ein 2010 ins Leben gerufenes Experiment. Es ist der Versuch, einen unverstellten Blick auf die biblischen Texte und den Menschen zu gewinnen, an dessen Geburt sich nicht nur unsere Zeitrechnung orientiert. In aller denkerischen Freiheit wird mit Mitteln des Verstands, der Wissenschaft und des Herzens daran gearbeitet, einen neuen, authentischen Zugang zu den christlichen Quellen zu finden… Die biblischen Texte in ihrer unglaublichen Fülle, Dichte und Relevanz für die Herausforderungen und Entscheidungen des heutiges Leben wieder zu entdecken. Worthaus lehrt, die kulturellen und sozialen Voraussetzungen zu sehen, die vor dreitausend Jahren in Israel und im gesamten Orient bestanden.
Ich selbst war 2014 bei Worthaus Heidelberg dabei und habe Prof. Zimmer persönlich kennengelernt. Inzwischen telefonieren wir des Öfteren und bauen eine wachsende Beziehung. Besonders seine Vorträge sind sehr zu empfehlen und eröffnen einen neuen und ausgesprochen fesselnden Blich auf die biblischen Texte. Die Vorträge lassen sich als Video oder Audio herunterladen.
Romane, die ich in den letzten Monaten gehört bzw. gelesen habe.
Auf so mancher längeren Autofahrt hören Nina und ich auch immer wieder Romane oder Krimis als Hörbücher. Folgende haben uns ganz gut gefallen:Frank Schätzing: Tod und Teufel

Köln, Anno Domini 1260. Wäre Jacop der Fuchs, charmanter Herumtreiber, bloß nicht in die erzbischöflichen Apfelbäume gestiegen! So wird er beim verbotenen Pflücken Zeuge, wie ein höllenschwarzer Schatten den Dombaumeister in die Tiefe stößt. Und muss selber um sein Leben laufen, denn der Mörder hat auch ihn gesehen. Wem immer Jacop sich anvertraut, ist kurz darauf tot. Als der Gehetzte begreift, welch ungeheure politische Intrige in Köln gesponnen wird, ist es zur Flucht bereits zu spät. Doch der Fuchs trägt seinen Beinamen nicht von ungefähr...
Unterhaltsamer Mittelalterroman mit Krimifeeling.
Joy Fielding: Im Koma

Gefangen im eigenen Körper: Im Thriller-Hörbuch "Im Koma" von Joy Fielding erschafft Sprecherin Hansi Jochmann eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung, die den Hörer im wahrsten Sinne des Wortes "gefangen nimmt". Casey Marshall, eine erfolgreiche 32-jährige Frau aus Philadelphia, wird Opfer eines schweren Autounfalls. Im Krankenhaus erlangt sie zwar das Bewusstsein wieder - erfährt aber wenig später, dass sie einige Wochen im Koma lag. Nach wie vor hilflos und ans Bett gefesselt, wird Casey Marshall bald klar, dass sie noch immer in Gefahr schwebt ...
Sehr spannend und nichts für schwache Nerven… Unsere Fahrt nach Italien verging wie im Flug.
Zu Schluss noch ein Tipp:
Readfy
Erstaunlicherweise sind auch viele sehr gute und bekannte christliche Bücher dabei. Bücher von John Eldredge, Timothy Keller, Adrian Plass, Reinhold Ruthe, Gordon MacDonald, Philip Yancey, Gary Chapman, Tamara Hinz, David Platt und vielen anderen.
In der App wird oben Werbung eingeblendet, wodurch sie der Dienst finanziert.
Jetzt wünsche ich euch gute Erholung, gute Unterhaltung und viel Inspiration in euren Ferien.
Liebe Grüsse, Martin
Mittwoch, 17. Juni 2015
Wort des Tages
Montag, 15. Juni 2015
Gott und Gewalt: Wann macht Glaube gewalttätig?
Ich versuche hier eine verständliche und trotzdem tiefgreifende Antwort auf die Frage zu geben, warum Glaube gewalttätig machen kann. Wie gehen wir mit diesen Stellen im Alten Testament um, die zur Rache, zum Vollstrecken des Banns und zur Ausrottung ganzer Völker auffordern?
Wieso kann Jesus von Feindesliebe sprechen, wenn Josua und Saul noch aufgefordert wurden, ganze Stämme inklusive Kinder und Säuglinge umzubringen?
Und warum hat Elia nicht im Geiste des Reiches Gottes gehandelt, wenn er Feuer auf feindliche Armeen herabfallen lässt?
Und was hat das ganze mit dem Gleichnis vom Sauerteig zu tun, dass Jesus erzählt um sein Reich zu beschreiben?
Dieses und mehr im Rahmen dieser Predigt.
Freitag, 29. Mai 2015
Ist das ein Gott der Liebe? - Teil 3
Die Ohnmacht Gottes
Diese Antwort ist mehr philosophischer Art, beinhaltet aber trotzdem ganz wichtige Gedanken für diese große Frage. Wir gehen davon aus, dass Gott absolut liebevoll und allmächtig ist. Und bei dieser Kombination dürfte es kein Leid geben. Diese zweite Antwort rüttelt nun an Gottes Eigenschaft der Allmacht Gottes.
Wir gehen bei einem christlichen Weltbild davon aus, dass es am Anfang nur Gott gibt. Nichts anders. Da ist nicht Gott und die Welt. Wenn es mit Gott gleichzeitig die Welt gegeben hätte, wer hätte dann die Welt gemacht? Es kann am Anfang nur Gott geben, denn wenn es noch etwas anderes gegeben hätte, dann müsste es ja wiederum jemanden darüber geben, der Gott und das andere ins Dasein ruft. Insofern kann es am Anfang nur Gott geben.
Und wenn Gott allmächtig ist, der Beginn von allem, dann ist erst einmal für nichts anderes Macht oder Raum zum Dasein vorhanden. Ein allmächtiger Gott hat eben restlos alle Macht, denn wenn noch etwas anderes Macht hätte, wäre Gott nicht allmächtig. Wenn es also neben Gott irgendetwas geben soll, wenn neben ihm noch etwas existieren soll, wenn neben ihm etwas Macht zum Existieren oder zum sich entfalten haben soll, muss Gott auf einen Teil seiner Macht, seines Dasein verzichten.
In der freiwilligen Selbstbeschränkung Gottes, in dem freiwilligen Verzicht auf einen Teil seiner Macht und seines Daseins, schafft Gott den Raum und eröffnet er die Möglichkeit für anderes zu existieren, also für das Dasein von etwas anderem. Und in diesem Machtverzicht, in diesem freiwilligen Rückzug Gottes schafft er den Raum, in dem nun die Schöpfung stattfinden kann, in dem es den Menschen geben kann, in dem der Mensch Macht zum Dasein hat und vor allem einen freien Willen haben kann.
Schöpfung und Willensfreiheit sind nur möglich, durch Gottes freiwillige Selbstbeschränkung, durch Gottes freiwilligen Rückzug.. Indem Gott sein Dasein beschränkt, schafft er Raum für das Dasein einer Schöpfung. Und ich meine das nicht räumlich, sondern inhaltlich.
Aber genau in diesem Machtverzicht Gottes, in dieser freiwilligen Selbstbeschränkung Gottes, eröffnet sich nun auch der Raum für das Böse, ein Raum, in dem Gott auf Machtausübung verzichtet. Und aus diesem Grund erleben wir ein eingeschränktes Wirken Gottes. Wir erleben das Miteinander der Macht und der absichtlichen Machtlosigkeit Gottes. Wir nennen das auch das „schon jetzt“ und „noch nicht“ vom Reich Gottes. Und würde Gott all unsere Gebete erhören und überall seine Macht ausüben und überall allmächtig handeln, dann wäre unsere gesamte Existenz bedroht, denn dann bliebe für nichts Macht übrig. Wer den allmächtigen Gott fordert, fordert damit gleichzeitig das Ende der Schöpfung. Und Gott muss sich am Riemen reißen, nicht mit seiner ganzen Macht einzugreifen und allem Leid ein Ende zu machen, denn das bedroht unsere Freiheit und unsere Existenzmöglichkeit.
Wir leben nun mit dieser freiwilligen Selbstbeschränkung Gottes. Sie ermöglicht uns das Leben, das Atmen und das Sein. Aber die Nebenwirkung ist, dass wir auch auf ein Stück Allmacht Gottes verzichten und nicht gleichzeitig unsere Existenz, unsere Freiheit und Gottes dauerndes Eingreifen fordern können. Und Gott hält sich an diese Selbstbeschränkung aus Respekt, aus Achtung und aus Liebe zu seiner Schöpfung.
Am deutlichsten macht Gott seine Ohnmacht am Kreuz Jesu sichtbar. Und gleichzeitig drückt dieses Kreuz seine Liebe zu den Menschen aus. Darum hat er auch bei der Erlösung den Weg der eigenen Menschwerdung gewählt und nicht als allmächtiger Gott vom Himmel das Problem der Sünde oder der Verlorenheit gelöst. In seiner Selbstbeschränkung hatte er keine andere Wahl, als selbst Mensch zu werden und als Mensch die Welt zu erlösen. Als Jesus gekreuzigt wird, erleben wir Gott hilflos, machtlos. Und zwar selbst gewählt. Jesus hätte jederzeit Legionen von Engeln zur Hilfe rufen können. Aber er verzichtet auf Macht, erlebt absolute Ohnmacht, und bringt gerade dadurch seine Liebe und seine Wertschätzung den Menschen gegenüber zum Ausdruck.
Die Alternative ist sonst immer die Einschränkung menschlicher Freiheit und menschlicher Existenz. Wenn Gottes Macht zunimmt, muss alle andere Macht immer abnehmen. Es ist also ein Ausdruck von großer Liebe zu seiner Schöpfung, dass Gott ihre Freiheit und ihre Existenz nicht einschränken möchte, sondern lieber seine eigene Allmacht einschränkt, selbst wenn es die Begleiterscheinung hat, dass er einen Teufel, Leid, Böses und moralisch schlechte Entscheidungen der Menschen zulassen muss.
Diese zweite Antwort auf das Leid in der Welt lässt sich also so zusammenfassen: Es gibt Leid in dieser Welt, weil Gott der Welt zuliebe, ihrer Existenz und ihrer Freiheit zuliebe auf eigene Macht verzichtet und darum nicht immer so eingreifen kann, wie er es möchte. Wir erleben seine Macht immer wieder, aber eben oft auch noch nicht. Wir leben in diesem Spannungsfeld, das uns Freiheit, Dasein, Entfaltungsmöglichkeiten, Wert und Würde verleiht, aber auch die Möglichkeit von Leid, Bösen und der Abwesenheit von Gottes Macht eröffnet!
Gottes Macht und Ohnmacht stehen also nebeneinander:
- Zum einen erscheint uns vieles auf der Welt sinnlos, planlos - und doch vertrauen wir darauf, dass Gottes Weisheit und Macht größer ist als die unsere und er ganz genau weiß, was er tut; und unser Leben ist und bleibt in seiner Hand.
- Zum anderen erscheint uns Gott ohnmächtig und wir fragen uns, warum er nicht machtvoller und häufiger und umfassender eingreift? Und wir verstehen, dass dahinter Gottes freiwillige Selbstbeschränkung steht, die uns überhaupt Leben, Dasein und Freiheit ermöglicht.
1.Kor.1, 25 Gott erscheint töricht – und ist doch weiser als Menschenweisheit. Gott erscheint schwach – und ist doch stärker als Menschenkraft. (GN)
Andere Übersetzung: Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft und Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten. (NGÜ)Paulus redet hier von diesen beiden Antworten: Manchmal erscheint Gott töricht, keinen Plan, Chaos auf der Welt, Gott hat die Kontrolle verloren. Aber hinter diesem scheinbar widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit und Macht, die alle menschliche Weisheit übertrifft.
Und manchmal erscheint Gott schwach und ohnmächtig, warum greift er denn nicht ein, ist er nicht allmächtig? Aber Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt immer noch alle menschliche Stärke in den Schatten.
Ich lebe mit beiden Antworten, trotz ihrer Widersprüchlichkeit. Sie lösen mir nicht alle Probleme und beantworten nicht alle Fragen, aber sie schenken mir Frieden in meine Seele und helfen mir mein Vertrauen ganz auf Gott zu setzen. Sie erklären mir etwas von diesem Mysterium, ohne es ganz aufzulösen. Und je länger ich mit diesen Antworten lebe, desto mehr wachse ich in sie hinein und können sie ihre Wirkung in meinem Leben entfalten.
Hier kann man diese ganzen Gedanken auch als Predigt ansehen:
Freitag, 22. Mai 2015
Ist das ein Gott der Liebe? - Teil 2
Gottes große Macht
Das ist der zweite Teil meiner Ausführungen zur Frage, wie wir Schicksalsschläge und die Liebe beziehungsweise Allmacht Gottes zusammenbekommen. Teil 1 findet man hier.Die erste Antwort liefert uns das Hiob Buch. Im Hiobbuch erfährt die Hauptperson, also Hiob, schreckliches Leid. Zuerst werden seine gesamten Viehherden geraubt oder getötet. Dann werden seine zehn Kinder durch einen Sturm getötet. Und am Ende verliert er seine Gesundheit und leidet an einer furchtbar schmerzhaften Hauterkrankung, die ihn fast um den Verstand bringt. Die Zuschauer der Geschichte erfahren die Ursache dieser Leiderfahrung: Es ist eine Prüfung die über Hiob ergeht. Es soll herausgefunden werden, ob er nur so ein frommer und gottesfürchtiger Mann ist, weil es ihm so gut geht. Hiob selbst weiß nichts von der zugrunde liegenden Ursache seines Leidens. Und für Hiob kommt irgendwann der Moment, wo er seinem Zorn, seiner Wut und seinen Vorwürfen Gott gegenüber freien Lauf lässt. So lamentiert Hiob:
24,12 Das Stöhnen der Sterbenden liegt über der Stadt, und die tödlich Verwundeten schreien um Hilfe - doch Gott achtet nicht darauf.
13,24ff Warum ziehst du dich von mir zurück und betrachtest mich als deinen Feind? Warum verfolgst du mich und jagst mir Schrecken ein? Ich bin doch nur ein welkes Blatt, ein dürrer Halm! Ein bitteres Los hast du über mich verhängt; du strafst mich sogar für die Sünden meiner Jugend. Du legst meine Füße in Ketten, beobachtest jede Bewegung und bewachst mich auf Schritt und Tritt. So zerfalle ich langsam wie ein Holz, das vermodert, wie ein Kleid, das die Motten fressen."Das ganze zieht sich dann viele Kapitel hin, und endet darin, dass Gott sich doch noch an Hiob wendet und ihm vor allem seine Größe und Allmacht beschreibt. In mehreren Kapiteln zeigt Gott Hiob, wie groß seine Macht ist, seine Schöpferkraft. Gott beschreibt Hiob wie er die Welt geschaffen hat, wie die Sterne und Planeten entstanden sind, er beschreibt ihm deren Umlaufbahnen und wie es zum Licht in der Welt kam, wie das Wetter entsteht, die Wolken, Blitz und Donner. Er beschreibt den Kreislauf von Regen, Wachsen, Gedeihen und Ernten. Etwas, das von ganz alleine abläuft, ohne das Zutun irgend eines Menschen. Gott beschreibt Hiob, wie er die Tierwelt erschaffen hat und alles wunderbar aufeinander abgestimmt ist und welche Wunder in der Natur anzutreffen sind.
Hiob erkennt die unfassbare Größe und Macht Gottes. Und gleichzeitig wird ihm seine eigene Kleinheit, Unwissenheit, Beschränktheit und Einfalt bewusst. Zu Beginn der Geschichte ist Hiob noch überzeugt, Gott in die Karten schauen und ihm Unfähigkeit und Chaos vorwerfen zu können.
Noch in Kapitel 23 sagt er ganz kühn:
3 Wenn ich nur wüsste, wo sich Gott befindet und wie ich zu ihm hingelangen könnte! 4 Ich würde ihm schon meine Lage schildern, ihm meine Gründe und Beweise nennen. 5 Ich bin gespannt, was er dann sagen würde, wie er mir darauf seine Antwort gäbe.Hiob hat zu den Eindruck, dass er mit Gott ein Streitgespräch führen könnte und ihm einmal so richtig die Meinung sagen. Er würde Gott schon beweisen, dass seine eigenen Pläne die Richtigen sind und Gott einige Fehler in seiner Weltenplanung macht. In Kapitel 27 ist er noch der Meinung, dass er ganz genau Bescheid weiß, wie Gottes Gedanken und Pläne aussehen:
11 Ich will euch über Gottes Tun belehren, und wie der Allmächtige gesinnt ist, will ich nicht verhehlen.Hiob ist der festen Meinung, genau Bescheid zu wissen, wie das Leben zu funktionieren hat und wie es eigentlich richtig laufen sollte. Übermütig kann er seinen Freunden sagen:
13, 18 Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, dass ich Recht behalten werde.Aber nachdem Hiob mit Gottes Macht und Größe konfrontiert wurde, ändert sich alles. Er erkennt, dass Gott wirklich einen Plan, den Durchblick hat, kein Chaos veranstaltet und unndlich mal besser weiß, was auf dieser Welt geschieht, geschehen soll und mit unserem Leben los ist. Die große Erkenntnis für Hiobs ist, dass sein Leben und die ganze Welt in Gottes Hand sind. Egal was passiert, Gott weiß es, Gott sieht es und mein Leben ist in seiner Hand! Und so endet das Hiob Buch mit dieser großen Erkenntnis:
42,2 "Herr, ich erkenne, dass du alles zu tun vermagst; nichts und niemand kann deinen Plan vereiteln. Du hast gefragt: 'Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?' Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand. Du hast gesagt: 'Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!' Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!"Angesichts von Leid, Schmerz und Trauer, kann eine mögliche Antwort sein, sich Gottes grosse Macht vor Augen zu halten. Inmitten des Leides sage ich zu Gott:
- Gott ich verstehe nicht, warum das passiert ist!
- Ich blicke nicht mehr durch!
- Ich wünschte mir alles so anders.
- Aber ich vertraue darauf, dass du weisst, was passiert.
- Du hast die Kontrolle!
- Du bist grösser und weiser als alles andere.
- Mein Leben ist in deiner Hand. Die Welt ist in deiner Hand.
Wir sind ein wenig in der Rolle der unmündigen Kinder, die sich das Verhalten der Eltern nicht erklären können, die sich von den Eltern vielleicht ungerecht oder unfair behandelt fühlen, aber einfach deshalb, weil sie die Absichten und die Motive der Eltern noch nicht durchschauen können.
Wir fühlen uns wie das Kind, dem das Taschenmesser weggenommen wird, das es in der Schublade gefunden hat, damit es sich nicht selbst verletzt. Das Kind erlebt vor allem den Verlust, nicht bekommen, was es will, beraubt werden. Die Eltern sehen den Schutz, die Bewahrung, die Vereitelung von Schmerz oder Verletzung.
Diese Lösung ermutigt uns, Gott unser Vertrauen auszusprechen, dass wir in unserer Kleinheit, Unmündigkeit und Unwissenheit seine großen Pläne nicht wirklich durchschauen können und ihm trotzdem vertrauen.
Sonntag, 17. Mai 2015
Ist das ein Gott der Liebe? - Teil 1
Leid löst zum einen eine destruktive Bewegung in uns aus:Wir erleben Verzweiflung, Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Widerwillen, Unverständnis, Wut, Zorn, Zweifel. Diese Gefühle hinterlassen etwas Negatives bei uns, sie reisen Wunden auf, sie wühlen auf, sie bremsen uns und wir können diesem Leid rein gar nichts abgewinnen. Unser einziger Wunsch ist die Vermeidung von solchem Leid oder der Wunsch, alles rückgängig machen zu können. Ganz oft geht es uns so, wenn wir Leid bei anderen miterleben:
Der schweren Krankheit eines Angehörigen.
Dem Tod eines Angehörigen.
Ein schrecklicher Unfall, in den jemand Bekanntes verwickelt ist.
Große Ungerechtigkeit, ein Schicksalsschlag,
Wir fühlen uns dem Leid anderer gegenüber besonders hilflos.
Wir können uns oft nicht einmischen oder nichts daran ändern.
Leid kann aber auch eine konstruktive Bewegung in uns auslösen. Oftmals kommt diese Phase aber erst, wenn wir die erste durchlebt haben. Dann kann Leid auch ein Lehrmeister sein. Leid kann uns zurückführen auf einen gesunden Weg. Eine Leiderfahrung kann ein Warnschuss sein oder ein dickes Hinweisschild, wohin wir uns entwickeln sollten? Es sind aber gerade Todesfälle, die wegen ihrer Endgültigkeit oft keine konstruktive Bewegung auslösen, denn der Verstorbene kann leider nichts mehr daraus lernen oder einen anderen Weg einschlagen und die Hinterbliebenen wollen eigentlich in keiner Weise aus dem Tod eines anderen irgendwie profitieren. Zudem steht der Gewinn an Lebensweisheit oder Veränderung oftmals in keinem Verhältnis zum erlittenen Leid. Und doch bewundere ich diese Menschen, denen es gelingt inmitten von schwierigem Leid einen konstruktiven Weg einzuschlagen.
Immer wieder erlebt man es, dass zwei Menschen die genau gleiche Leiderfahrung machen:
Vielleicht im selben KZ Gefangenen sind,
An derselben Krankheit erkranken,
Den gleichen familiären Todesfall miterleben,
Dieselbe Naturkatastrophe oder denselben Krieg miterleben,
Und doch am Ende ganz anders daraus hervorgegangen sind.
Die einen gebrochen, immer hadernd mit ihrem Schicksal, verbittert und am Glauben gescheitert, Und die anderen haben wieder Boden unter die Füße bekommen, konnten ihr Haupt erheben, konnten ihre Leiderfahrungen hinter sich lassen und sind mit ihrem Leben und ihren Schöpfer versöhnen.
Es ist vollkommen natürlich, dass jede Leiderfahrung mit einer Phase tiefer Trauer, Verzweiflung, Ängsten, Zweifel, Hadern usw. einhergeht. Niemand kann mit der konstruktiven Bewegung beginnen. Man kann die destruktive Bewegung nicht überspringen. Wer das versucht, Trauer oder Zweifel ausklammern möchte, dessen Seele bleibt in einer Sackgasse stecken.
Aber eine destruktive Bewegung, die einen gewissen Raum in unserem Leben einnehmen darf, die kann sich verwandeln in eine konstruktive Bewegung. Ich halte in diesem Zusammenhang die Reaktion von Hiob für vollkommen unangebracht und unmenschlich. Nachdem er vom Raub all seiner Herden und vom Tod all seiner Kinder erfahren hatte, lesen wir folgende Reaktion:
Hiob 1, 20 Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!Eigentlich möchte dieser Satz beschreiben, wie ein Mann nach einer Leiderfahrung am Ende wieder Frieden gefunden hat und sich Gott anvertrauen kann. Aber dieser Satz kommt hier zu schnell, zu spontanen, zu geplant. Die Autoren dieser Geschichte überspringen die gesamte Trauerphase, Verzweiflungsphase, Zorn und Schock, den jeder vernünftige Mensch erleben würde und springen sofort zur konstruktiven Bewegung in Hiobs Leben. Es braucht dann noch eine zweite Runde Leiderfahrung, nämlich Hiobs Krankheit, bis in der Geschichte die destruktive Bewegung in Hiob beschrieben wird.
Für Menschen, die an Gott glauben möchten, kommt mit schwierigen Leiderfahrungen aber noch eine ganz andere Thematik hinzu. Je nach Dosis der Leiderfahrungen, je nach Häufigkeit, stellt sich früher oder später die Frage nach dem liebenden Gott. In der Theologie nennt man das die sogenannte Theodizee Frage. Es ist die Frage nach dem liebenden oder auch nach dem gerechten Gott. Im allgemeinen läuft dahinter immer der gleiche Gedankenprozess ab:
1. Es gibt GottWie kann es sein, dass ein allmächtiger und gnädiger Gott schreckliches Leid zulässt?In unseren Liedern besingen wir die Barmherzigkeit und Liebe Gottes. In den Evangelien tritt uns ein barmherziger und Alle heilender Jesus entgegen. Wir glauben an eine frohe Botschaft.In unseren Predigten sprechen wir davon, dass Gott nicht nur Liebe hat, sondern die Liebe ist. Uns wird versprochen, dass Gott unsere Gebete erhören wird, und das scheinbar garantiert, wenn zwei eins werden warum sie bitten. Wir sind aufgefordert ihn immerdar zu loben und zu preisen.Aber wie soll das alles gehen angesichts des großen Elendes auf unseren Planeten in der Vergangenheit und Gegenwart? Wie soll das gehen anhand von so vielen unverschuldeten Leid? Die vielen sterbenden, verhungernden Kinder, Aidswaisen, Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden, zivile Opfer in Kriegen, die von Mächtigen und Gierigen angezettelt werden. Wie soll das gehen anhand von ganz persönlichem Leid?
Folgerung: Gott wirkt in der Welt
2. Gott ist allmächtig
Folgerung: Gott kann Leid verhindern
3. Gott ist gnädig
Folgerung: Gott will Leid verhindern
4. Es gibt Leid
Folgerung: mit Gott kann etwas nicht stimmen
Dem Unfalltod des Bruders
Der schweren Erkrankung der Schwester
Dem Selbstmord der Mutter oder der persönlichen schweren Krankheit, dem Verlust entscheidender Lebensqualität, der unheilbaren Erkrankung, den chronischen Schmerzen?
Seit Menschengedenken beißen wir uns die Zähne an diesem Widerspruch aus. Auf der einen Seite der allmächtige, gnädige Gott und auf der anderen Seite offensichtliches Leid. Erfreulich in alledem finde ich, dass unsere Religion, also das Christentum dieses Thema nicht ausklammert. Die Bibel selbst gestattet solche Fragen Die Bibel selbst greift dieses Thema auf. Sie widmet dieser Fragestellung ein ganzes Buch im Alten Testament, dem Buch Hiob.
Und auch im Neuen Testament sind die Christen von Anfang an mit der Realität dieses unverständlichen Leides konfrontiert. In der Apostelgeschichte wird uns innerhalb weniger Verse geschildert, wie einer der Apostel enthauptet wird und der andere von einem Engel aus dem Gefängnis befreit.
Apg.12,1 Um diese Zeit ließ König Herodes verschiedene Mitglieder der Gemeinde von Jerusalem festnehmen und schwer misshandeln. 2 Jakobus, den Bruder von Johannes, ließ er enthaupten. 3 Als er merkte, dass dies den Juden gefiel, ging er noch einen Schritt weiter und ließ auch Petrus gefangen nehmen – gerade in den Tagen des Passafestes. 4 Petrus wurde ins Gefängnis gebracht; zu seiner Bewachung wurden vier Gruppen zu je vier Soldaten abgestellt, die einander ablösen sollten. Herodes wollte ihm nach dem Fest vor allem Volk den Prozess machen. …7 Plötzlich stand da der Engel des Herrn, und die ganze Zelle war von strahlendem Licht erfüllt. Der Engel weckte Petrus durch einen Stoß in die Seite und sagte: »Schnell, steh auf!« Da fielen Petrus die Ketten von den Händen.Beim befreiten Petrus erfüllen sich die Verheißungen Gottes, die Gebete wurden erhört, das Gotteslob ist gross. Beim enthaupteten Jakobus scheint Gott zu schweigen, seine Versprechen vergessen zu haben und alle Gebete um Errettung sind vergeblich. Die Frau des Petrus ist im Jubel wegen der Rettung ihres Mannes. Die Frau des Jakobus ist in Trauer wegen der ausbleibenden Rettung ihres Mann. Beide haben demselben Gott vertraut. Aber genau diese widersprüchliche Geschichte wird aus der Bibel nicht herausgestrichen. Sie scheint etwas anzudeuten von einer Realität, der sich auch Christen trotz ihres Glaubens stellen müssen.
Gibt es Erklärungsmodelle, die uns helfen könnte Licht auf diese widersprüchliche Situation zu werfen? In Teil 2 und 3 möchte ich zwei gegensätzliche und trotzdem hilfreiche Erklärungen schildern.
Wenn wir mehr in die Idee von Gerechtigkeit verliebt sind als in gerechtes Handeln
Ich habe mich beim Hören des Vortrages gefragt, wo mich die Schaffung von Gerechtigkeit persönlichnetwas kostet? Wo rede ich nur davon, halte Predigten darüber (die dann noch einen Preis gewinnen), lese darüber, aber tue nichts, was mich wirklich ein Opfer kostet.
Als David im AT den Tempelplatz gefunden hatte, wollte ihm der dort ansässige Bauer den Platz und die Opfertiere, die David Gott darbringen wollte, schenken. David wollte sich darauf nicht einlassen, sondern dafür bezahlen mit der Begründung:
2.Sam.24,24 Doch der König wandte ein: "Nein, ich will alles zum vollen Preis kaufen. Ich möchte dem Herrn, meinem Gott, nicht ein Opfer darbringen, das mich nichts gekostet hat." Und so bezahlte David für den Dreschplatz und die Rinder 50 Silberstücke.Wieviel meiner Nachfolge und meines Wunsches, Gottes Reich und seine Gerechrigkeit zu suchen, kostet mich wirklich etwas? Wo wird es in meinem Leben so praktisch und konkret, dass es für mich ein Opfer bedeutet und nicht nur aus meinem Überfluss an Zeit und Geld heraus geschieht?
Inzwischen hat Cho eine Organisation gegründet, die das Ziel hat, die schlimmste Armut in der Welt zu bekämpfen. Schnell hat man den Eindruck angesichts des riesigen Ausmaßes an Armut gar nichts ausrichten zu können, und doch macht jede Hilfe für einzelne Menschen einen Unterschied. Durch transparente Projekte, für die alle Spenden zu 100% verwendet werden, werden Kliniken gebaut, Brunnen gegraben, Entbindungsstationen eröffnet, Schulen gebaut, Lehrer bezahlt usw. Seine Idee ist es, den Verdienst eines Tages zu spenden (mind. einmal im Jahr) und so einen konkreten Beitrag zu Gerechrigkeit zu leisten. Auf diese Weise könnten sie als Organisation schon über 2 Millionen Dollar sammeln und über 70 Projekte verwirklichen.
Wer mehr über diese Idee erfahren möchte findet einen kurzen Videoclip hier.
Den gesamten Vortrag von Eugene Cho kann man hier nachhören.
Sein Buch zum Thema hier. (als Kindle EBook gerade für 1,99€)
Dienstag, 28. April 2015
Wortgewand: neue Seminarreihe der Vineyard Basel
Im Herbst diesen Jahres werden wir "Wortgewand" starten.
Wortgewand ist eine Seminarreihe, bei der unterschiedliche Referenten und Referentinnen in regelmässigen Abständen fundiert, inspirierend und wortgewandt biblische und theologische Themen einem breiten Publikum nahebringen.
In diesem Jahr wird Siegfried Zimmer bei uns sein.
Thematisch geht es um die Wiederentdeckung des Prophetischen.
Infos und Anmeldung





